Mustafa Celik aus Hohenlimburg organisiert den nächsten Hilfstransport in die Ukraine. Was ihn antreibt und wie er weiter helfen will.

Zwei Mal ist Mustafa Celik bereits mit Kollegen und weiteren Helfern von aus Hagen mitten in das Kriegsgebiet in der Ukraine gereist, um Hilfsgüter direkt zu den Menschen zu bringen. Die Begegnungen vor Ort haben Spuren hinterlassen und den Hohenlimburger tief geprägt. Nun bereitet er den dritten Hilfstransport in die Ukraine vor.

Auch wenn die letzte Fahrt in die Ukraine bereits mehr als zwei Monate her ist, so wirklich loslassen konnte Celik seither nicht. Im Gegenteil: Erlebnisse vor Ort und Begegnungen mit den Menschen sind geblieben und Kontakte sind geknüpft. Was zeitgleich in mehr als zweitausend Kilometer entfernten Orten im ukrainischen Kriegsgebiet passiert, das bekommt er über die Sozialen Netzwerke in Echtzeit täglich in Hohenlimburg mit.

Krieg in der Ukraine treibt Celik um

Celik sitzt auf der Terrasse vom Zehner-Treff, dem Vereinsheim seiner Fußballer vom SV Hohenlimburg 1910. Von der Anhöhe aus lässt sich auf den grünen Rasen im Erich-Berlet-Stadion blicken, wo gerade das Training läuft. Gedanklich wendet sich Celik von dieser friedlichen Gegenwart in Deutschland ab und blickt auf das Thema, das ihn seit Wochen umtreibt: auf den Krieg in der Ukraine.

Es sei vor allem die Sinnlosigkeit, die ihn aufwühle. „Wenn man das mit eigenen Augen sieht, wie die Menschen dort keine Arbeit haben und kein Essen haben, ihre Häuser zerstört wurden. Wofür das alles?“ Er verstehe nicht, wie man das Leben so vieler Menschen so zerstören könne. „Dieses Sinnlose, wenn man vor zerstörten Häusern steht und fragt, warum? Warum hast du das zerbombt? Dafür haben Menschen ihr Leben lang gearbeitet.“

Kontakte sind vor Ort entstanden

Es sind Fragen, die nicht nur Menschen wie ihn bewegen dürften, der bereits zweimal im Kriegsgebiet war, in der Hafenstadt Odessa und weiter die Küste des Schwarzen Meeres entlang in der Stadt Mykolajiw. Und doch ist da bei ihm durch das Erlebte eine andere Nähe zu diesen Fragen entstanden. Celik zeigt sein Smartphone: 860 ungelesene Nachrichten ploppen auf, die meisten davon aus verschiedenen Hilfsgruppen für die Ukraine, zu denen er nun gehört. Bei seinen Touren kam er mit Helfern und ukrainischen Militärs in Kontakt – und hat sich vernetzt.

In den Gruppen ploppt auf, was vor Ort gerade bewegt. Ein Soldat, den Celik bei seiner Tour kennengelernt hat, schickt ein Video vom Geschehen an der Front. Das Bild ist von der Dunkelheit der Nacht geschwärzt, doch Schüsse sind zu hören und lassen Gefechte erahnen. Dazu kommen Anfragen und Hilfegesuche von den Ukrainern, die in und um die Kriegsgebiete leben. „Eine Frau fragte nach Hilfe, sie habe drei Kinder und brauche einen Transport. Ein Mann sucht nach Hilfe, sein Vater sei krank. Dazwischen mischen sich in die einzelnen Chatgruppen zahlreiche Fotos und Videos von verschiedenen Hilfsorganisationen aus Deutschland und anderen Ländern, die helfen, wieder eine Fuhre mit Hilfsgütern verladen und zu den Menschen in der Ukraine bringen.

Viele Botschaften aus der Ukraine auf dem Handy

Not, Leid und Krieg auf der einen, Solidarität, Unterstützung und Hilfe auf der anderen Seite – gebündelt auf dem kleinen Bildschirm eines Smartphones. „Die Hilfe hört nicht auf, sie läuft permanent“, sagt Celik, der neben seinen Fahrten auch einer der zahlreichen Helfer ist, die Unterstützung über Spenden organisieren. Die vielen Nachrichten aus den Chats im Alltag zwischen Beruf und Familie zu verarbeiten, damit komme er klar. „Es ist nicht so, dass ich Stunden mit dem Lesen verbringe – und wenn ich Stress habe, lese ich nicht.“

Und auch der Einsatz, den er einbringt, helfe. „Ich bin nicht mehr so ohnmächtig wie zu Beginn des Krieges – ich weiß jetzt, wie ich helfen kann.“ Dass er damit die Welt nicht retten und die Lage in der Ukraine nicht grundlegend ändern kann, das sei ihm zwar bewusst. „Aber mit Kleinigkeiten kann man das Leben der Menschen dort besser machen.“ Und aus positiven Rückmeldungen zieht er Motivation, weiterzumachen. Der Krieg in der Ukraine, er hat sein soziales Gewissen weit mehr getriggert als andere Krisen zuvor. Er habe auch damals Geld gespendet, als der Krieg in Syrien täglich in den Nachrichten war. „Aber Syrien ist für mich mit dem Lkw nicht so leicht erreichbar.“

Dritte Fahrt im September

Mittlerweile ist es kühler geworden auf der Terrasse am Zehner-Treff, der Abend kündigt sich langsam an. Auf dem Fußballplatz im Erich-Berlet-Stadion wird noch gekickt. Im September will er von Hohenlimburg aus erneut in das Kriegsgebiet der Ukraine fahren, um Hilfsgüter zu den Menschen dort zu bringen. Bei seiner ersten Tour im März waren er und seine Kollegen mit zwei 40-Tonner Sattelzügen gefahren, bei der zweiten Tour im Mai kamen 75 Tonnen Hilfsgüter zusammen. Diesmal sind 50 Tonnen Hilfsgüter geplant, die mit zwei Lkw in die Ukraine gebracht werden sollen. Die Abfahrt ist für den 11. September geplant.

Wohin es geht? Wahrscheinlich wieder in die Städte Odessa und Mykolajiw. Das entscheide sich je nach Sicherheitslage, sagt Celik.

Bericht: & Foto: Marcel Krombusch