Um das Kirchenbergstadion nach Erich Berlet umzubenennen, wäre eine Jahrespauschale von 30.000 Euro fällig. Die Stadt hat einen anderen Vorschlag

Soll das Kirchenbergstadion nach Erich Berlet benannt werden oder nur der kleine Parkplatz davor? Letzteres schlug nun das Servicezentrum Sport vor und verwies zur Begründung auf einen Ratsbeschluss vom Mai 2019, der die Vermarktung von Sportstätten im Stadtgebiet mit einem Preisschild versieht. Wer die Namensrechte für das Kirchenbergstadion erwerben will, muss demnach jährliche mindestens 30.000 Euro zahlen. Zwar gebe es aktuell keinen Interessenten, der diese Rechte erwerben möchte. Gleichwohl sollte aus Sicht des Servicezentrums Sport jedoch die Option auf Vermarktung aufrechterhalten werden.

Kostenfreie Werbung für Berlet

„In dem Moment, wenn das Stadion nach Erich Berlet umbenannt wird, wäre die künftige Vermarktungsoption nicht mehr gegeben“, heißt es in der entsprechenden Stellungnahme, die für die Sitzung des Sportausschusses am kommenden Dienstag vorliegt. Zudem könne der Name „Erich-Berlet-Stadion“ als kostenfreie Werbung für die gleichnamige Elektromarkt-Kette interpretiert werden, die Berlet einst gegründet hatte.

Würdigung für den Förderer

Rückblick: Der Geschäftsmann Erich Berlet hat über Jahrzehnte nicht nur in seinem Unternehmen, sondern auch in seiner Heimat Akzente gesetzt. Fast 33 Jahre hatte er den Vorsitz der Fußballer vom SV Hohenlimburg 1910 inne. Berlet verstarb im Jahr 2017, wenige Monate nach dem Rücktritt vom Amt. Zum 110-jährigen Vereinsjubiläum blickte der SV Hohenlimburg im vergangenen Jahr zurück auf seinen Förderer und schlug vor, die Heimstätte des Vereins, das Kirchenbergstadion, nach Erich Berlet zu benennen. Rückhalt kam aus der Bezirksvertretung, die im Februar einstimmig beschloss, den Rat um die Umbenennung zu bitten. Wegen der Verdienste Erich Berlets solle man auf das oben genannte Preisschild für die Namensrechte verzichten.

Auf Anfrage sagt Stefan Berlet, Enkel des verstorbenen Unternehmers, er freue sich, dass die Umbenennung bei der Stadt beraten wird. Da das Stadion nicht mit dem Namen des Unternehmens, „Euronics Berlet“, versehen werden soll, sieht er keinen Werbeeffekt. „Ich denke, zu so einem Schluss wäre auch niemand bei der der Otto-Densch-Halle, dem Richard-Römer-Lennebad oder anderen, nach Bürgern benannten Sportstätten in Hagen gekommen“, so Berlet. „Hier geht es meinem Verständnis nach um die Person Erich Berlet und sein Wirken und Engagement insbesondere rund um den Hohenlimburger Sport am Kirchenberg.“ Der Vorname verweise eindeutig auf die Person.

Wert der Namensrechte zu hoch

Bernd Preußner, Vorsitzender SV Hohenlimburg 1910, zeigt zwar Verständnis für die Sicht vom Servicezentrum Sport. Doch den Wert der Namensrechte für das Stadion auf 30.000 Euro pro Jahr zu beziffern, gehe an der Wirklichkeit vorbei. „So viel Geld würde keiner auf den Tisch legen. Zumal man als Verein kaum noch Sponsoren findet.“ Ähnlich sieht es der Hagener SPD-Chef und Vorsitzende des Sportausschusses, Timo Schisanowski. „Die Interessenten stehen nicht Schlange, um Geld in das Stadion zu investieren. Ich halte das für eine theoretische Diskussion. “ Die Verdienste Erich Berlets für die Stadt stünden außer Frage. Er hoffe auf Zustimmung über Parteigrenzen hinaus, damit sich der Impuls des Vereins politisch durchsetzt, trotz geltendem Preisschild für die Namensrechte. „Wo es Grundsätze gibt, gibt es auch immer begründete Ausnahmen.“

Derweil hat die Hagener Straßenbahn AG schon Fakten geschaffen. Mit der Umstellung des Busfahrplans wurde jüngst auch die Haltestelle am Kirchenberg umbenannt – in „Erich-Berlet-Stadion“.

Nächste Generation

Erich Berlet verstarb 2017 im Alter von 75 Jahren.

Nach dem Tod des Großvaters hat Enkel Stefan Berlet die Geschäftsführung der Berlet Hausverwaltung KG übernommen

 

Bericht & Foto: Marcel Krombusch / WP Hagen