Torwart Jonas Schilling muss kürzer treten

Torwart Jonas Schilling muss kürzer treten

Hohenlimburgs Stammkeeper Schilling wird bei seinem Klub keine große Rolle mehr spielen – dahinter stecken weder Streit noch Verletzung. Unzufrieden ist er dennoch.
Von Moritz Gaedt

Fußball-Westfalenliga SC Obersprockhövel gegen den SV Hohenlimburg
Jonas Schilling (rechts) im Trikot des SV Hohenlimburg 10. Der Fußballtorwart blickt mit 27 Jahren auf eine lange Fußballkarriere.© FUNKE Foto Services | Biene Hagel

Jonas Schilling ist seit Jahren die klare Nummer eins zwischen den Pfosten des SV Hohenlimburg. In der Blütezeit eines Torhüters wird er mit 27 Jahren nun jedoch deutlich kürzertreten. Der Grund ist keine Verletzung oder ein Streit – dennoch stehen in den kommenden Monaten große Veränderungen an.

Schon als Minikicker begeisterte sich Schilling für den Fußball, seine ersten Schritte machte er in Hohenlimburg. „Jedes Mal, wenn ich den Platz betrete, verbinde ich einen kleinen Teil meiner Kindheit damit“, sagte Schilling. Als Jugendlicher wollte er höher spielen, was sich zunächst nicht bei Hohenlimburg realisieren ließ. Also wechselte Schilling in seiner Teenagerzeit zu mehreren Vereinen, nahm weite Autofahrten auf sich und investierte einen großen Teil seiner Jugend in den Fußball. „Ich habe alles gegeben, es hat mich erfüllt. Die weiten Strecken bin ich gerne gefahren. Da muss ich auch meinen Eltern bis heute danken“, erinnerte sich der 27-Jährige.

Bei Hohenlimburg wurde aus dem jungen Torwart ein Erwachsener Mann

Mit 18 Jahren stand 2017 seine Rückkehr zu den „Zehnern“ an. „Das Umfeld und das Angebot passten. Die emotionale Verbundenheit und die örtliche Nähe spielten neben dem guten Niveau eine große Rolle“, sagt er. Fast zehn Jahre sind vergangen, die er – bis auf eine kleine Zwischenstation – als Seniorentorwart an der Berliner Allee verbracht hat. „Als unerfahrener Teenager kam ich mit 18 hierhin. Mittlerweile bin ich erwachsen geworden. Die Zeit vergeht, aber sie macht etwas mit einem – und Hohenlimburg hat diese Zeit mitgeprägt“, stellt er fest.

Mit dem Verein erlebte er entsprechend viel. „Ganz besonders war das Spiel gegen Borussia Dortmund. Gegen die Profis zu spielen, dieses Gefühl war unbeschreiblich“, erinnert er sich. In dem damaligen Benefizspiel sammelte man Spenden für die Opfer der Flutkatastrophe. Während die Spendensumme ein großer Erfolg wurde, rückte das sportliche Ergebnis an diesem Tag in den Hintergrund. Auch sportlich durfte Schilling mehrere Erfolge feiern. Besonders der Verbandsliga-Aufstieg bleibt ihm im Gedächtnis. „In der Saison hat alles gepasst. Wir waren eine super Truppe, die am Ende aufgestiegen ist“, sagt Schilling. Damals leitete Nils Langwald das Team – eine Ära, an die er gern zurückdenkt: „Mit dem, was er damals vorfand, hat er ein echtes Team geformt. Er hatte eine starke Menschenführung. Auch schwierige Charaktere hat er zu einer Einheit gemacht.“ Langwald kam, stieg auf und hinterließ bleibenden Eindruck.

Akademische und berufliche Einschränkungen sind für den Sport zu enorm

Viele positive Erinnerungen schweißen Schilling und Hohenlimburg zusammen – dennoch wird es im Sommer in dieser Form erstmal nicht mehr weitergehen. Schilling arbeitet als Verantwortlicher im Qualitätsmanagement und absolviert zusätzlich einen Master in Unternehmensführung. Diese Kombination mit dem ambitionierten Landesliga-Fußball verlangt ihm viel ab. „Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Wenn ich spiele, dann mit 100 Prozent – und diesen Anspruch kann ich aktuell nicht dauerhaft erfüllen“, erklärt er.

Murat Kaya, sportlicher Leiter des SV Hohenlimburg.
Murat Kaya, sportlicher Leiter des SV Hohenlimburg.© som | Fabian Sommer

„Der Gedanke, kürzerzutreten, fällt mir schwer, weil ich so viel mit diesem leistungsorientierten Sport, dem Verein und den Menschen hinter dem Verein verbinde, die ich sehr schätze. Gleichzeitig weiß ich, dass dieser Schritt für meine persönlichen sowie beruflichen und akademischen Ziele wichtig ist“, sagt er und unterstreicht damit die Bedeutung des Sports für ihn.

Teamsport gehörte schon immer zu seinem Leben, ohne ist es für ihn kaum vorstellbar: „Ich habe so viele verschiedene Leute kennengelernt, hatte immer etwas zu erzählen. Dass sich das nun verändern wird, fühlt sich ungewohnt an.“ Seine neue Lebensphase bringt Veränderungen mit sich – sportlich wie privat. Vollständig vorbei mit dem Teamsport soll es für Schilling jedoch nicht sein – der zeitliche Umfang muss lediglich angepasst werden. „Es ist kein Geheimnis, dass wir ihn gerne weiterhin als dritten Torwart halten würden“, erklärt Hohenlimburgs sportlicher Leiter Murat Kaya und betont damit Schillings Stellenwert im Verein.

Für Schilling ist dieses Modell derzeit die wahrscheinlichste Lösung. „Stand jetzt plane ich, der Mannschaft als dritter Torwart erhalten zu bleiben. Mir ist wichtig, weiterhin Teil dieses Teams zu sein – auch wenn sich meine Rolle verändert“, sagt der 27-Jährige. Eine endgültige Entscheidung sei jedoch noch nicht gefallen. „Ich möchte die kommenden Monate nutzen, um zu sehen, wie sich meine beruflichen und akademischen Verpflichtungen entwickeln. Aber grundsätzlich ist es mein Plan, dem Verein in dieser Form treu zu bleiben.“

Rückkehr zum Fußball ist für Schilling nie ausgeschlossen

Gleichzeitig will er den leistungsorientierten Fußball nicht endgültig hinter sich lassen. „Wenn es zeitlich irgendwann wieder besser passt und ich merke, dass ich dem Anspruch, den ich an mich selbst habe, wieder voll gerecht werden kann, dann würde ich auch eine Rückkehr zwischen die Pfosten nicht kategorisch ausschließen. Aktuell liegt mein Fokus jedoch klar auf meinem beruflichen und akademischen Weg.“ In seinem letzten halben Jahr als Nummer eins könnte das Team noch um den Aufstieg in die Westfalenliga spielen.

Nun soll perspektivisch auch die derzeitige Nummer zwei, Tim Fuchs, mehr Spielzeit erhalten, um sich weiterzuentwickeln und ihn auf die Rolle als ersten Torwart vorzubereiten. „Tim ist ein super Keeper, gar keine Frage. Natürlich hätte ich diese letzte Rückrunde gerne komplett gespielt, aber in einem Mannschaftssport ist der Trainer der Chef und diesem ordne ich mich unter“, sagt Schilling offen. Viele Einsätze wird es für Schilling in der ersten Mannschaft von Hohenlimburg aller Voraussicht erst einmal nach nicht mehr geben.

Ob er dem Team künftig in neuer Rolle erhalten bleibt oder sportlich noch einmal einen anderen Weg einschlägt, ist offen. Sicher ist jedoch: Die Verbindung zwischen Jonas Schilling und dem SV Hohenlimburg bleibt eine besondere – und vielleicht ist dieses Kapitel noch nicht endgültig abgeschlossen.

2026-02-22T00:57:55+01:00
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