26.11.2018 SV Hohenlimburg I – SpVg Hagen 1911 (Pokal)

Marc Becker und Jonas Schilling vom Fußball-Landesligisten SV Hohenlimburg sind sich einig. So etwas haben sie noch nicht erlebt.

„Jungs, das könnte ein Abend werden, an den ihr euch ein Leben lang erinnern werdet.“ Das sagte Marc Becker, Co-Trainer des Fußball-Landesligisten SV Hohenlimburg 1910, in der zweiten „Zwangspause“ des Pokalkrachers bei der SpVg Hagen 1911. Wie diese Zeitung aktuell berichtet hat, gewannen die Zehner nach einem Elfmeterkrimi mit 10:9 (3:3, 2:2, 1:0) und spielen im Viertelfinale gegen den B-Ligisten BW Haspe oder den Bezirksligisten BW Voerde.

„So etwas habe ich noch nie erlebt“, so Becker in der Nachbetrachtung dieser denkwürdigen Begegnung. „Man merkt es an meiner Stimme.“ Dieselbige war im gestrigen Gespräch mit dieser Zeitung noch nicht wieder vollständig intakt. Allein der Spielverlauf war nichts für Trainer und Zuschauer mit Herzproblemen. Zudem fiel sowohl in der Halbzeit als auch nach dem 2:1-Führungstreffer der Hagener das Flutlicht auf der Bezirkssportanlage Emst aus, weil die Sicherungen ihren Geist aufgaben.

Erstes Tor von Ioannidis

„Meiner Meinung nach hat am Ende der pure Wille den Ausschlag gegeben“, sagt Marc Becker. „Die erste Halbzeit war die beste, die wir in dieser Saison gespielt haben. Da hätten wir 2:0 oder 3:0 führen müssen.“ Vincenzo Porrello brachte die Hohenlimburger zwar in Führung, jedoch wurde der Spielverlauf nach dem Seitenwechsel auf den Kopf gestellt. Zunächst verschoss Saffet Davulcu einen Elfmeter. Die folgende Verunsicherung nutzte Hagen 11 aus, mit Toren von Alexander Möller und Tim Schattling die Partie zu drehen. Sechs Minuten vor dem Abpfiff rettete Sofoklis Ioannidis mit seinem ersten Tor für die Zehner die Verlängerung.

Nach 111 Minuten landete ein abgefälschter Ball von Tim Bodenröder im Netz des Zehner Torhüters Jonas Schilling zum 3:2 für die Hagener. Aber die Gäste steckten nicht auf, das 3:3 von Vincenzo Porrello (114.) bedeutete Elfmeterschießen.

„Auch dort lagen wir zurück“, resümierte Marc Becker, aber seine Schützlinge hatten Nerven wie Drahtseile. Einmal rettete die Querlatte für die Hohenlimburger, zwei Strafstöße parierte Jonas Schilling – so auch den letzten der Begegnung. Zum 10:9-Endstand traf Saffet Davulcu, der in der regulären Spielzeit seine große Chance vergeben hat und dieses wieder ausbügelte.

Apropos Jonas Schilling – auch der junge Keeper hat so ein Kuriosum noch nicht erlebt. „So viele Höhen und Tiefen in einem Spiel, wo man um Mitternacht aus der Kabine kam. Eigentlich hatte ich gehofft, dass das Spiel nach dem zweiten Flutlichtausfall neu angesetzt wird.“

Das dachten auch viele der etwa 250 Zuschauer, denn diese traten bei der Kälte lieber den Heimweg an. Schiedsrichter Thorsten Kleiböhmer gab der Flutlichtanlage allerdings noch eine Chance, pfiff die Parte nach erneuter 20-minütiger Unterbrechung wieder an. „Den Körper neu hochfahren und die Ungewissheit, wie lange das Licht hält, waren schon anstrengend“, so Jonas Schilling.

Vor allem für die Spieler war die Intensität sehr hoch in dem Spiel, hatten auch relativ schnell einige Karten gesammelt. „Auch als Torwart habe ich meine Beine gemerkt“, so Schilling.

Kein leichtes Spiel für Torwart

Generell war das Spiel für einen Torwart nicht das Leichteste; Schilling bekam in 120 Minuten drei Bälle auf die Kiste, die alle im Netz zappelten. „Das ist zum einen ziemlich bitter und zum anderen war es quasi gar nicht möglich, sich das gewisse Selbstvertrauen in einem solchen Spiel zu holen“, so Schilling weiter. „Dann baut mal auch mal den ein oder anderen Bock oder ist überhastet.“ Als aber Vincenzo Porrello mit seinem überragenden Freistoß das 3:3 erzielt hat, wusste Jonas Schilling, auf was er sich einzustellen hat. „Ich wusste auch, dass ich persönlich mich nun endlich auszeichnen konnte.“ Zwei gehaltene Elfmeter sind am Ende Garant für das Erreichen des Viertelfinals. Dieses wird auf jeden Fall auswärts stattfinden – auch unter Flutlicht. „Die Jungs haben richtig Leidenschaft an den Tag gelegt. Ich möchte keinen Spieler hervorheben“, sagt Marc Becker. Zur Belohnung gab es am gestrigen Dienstagabend trainingsfrei.

Hintergrund

Marc Becker wird auch am kommenden Sonntag beim Meisterschaftsspiel beim VfL Bad Berleburg an der Linie stehen. Chefcoach Michael Erzen wurde am Montagmorgen an der Lunge operiert. Die Operation ist bestens verlaufen. „Er möchte so schnell wie möglich wieder dabei sein. So kennt man ihn“, sagt Marc Becker.

Mit dem 21-jährigen Sven Höltke saß im Pokalspiel bereits ein Neuzugang beim SV Hohenlimburg 1910 auf der Auswechselbank. Er ist ab sofort spielberechtigt.

Die letzte Station von Sven Höltke war VfB Hilden, zuvor spielte er beim Oberligisten TSG Sprockhövel.

Bericht: Lutz Risse WP