16.9.2018 SV Hohenlimburg I – VSV Wenden

Aufsteiger VSV Wenden gelang am sechsten Spieltag mit einem 2:0-Sieg beim SV Hohenlimburg der erste Saisonsieg und damit ein Befreiungsschlag

Der Mann des Spiels sprach für alle, die es mit dem VSV Wenden hielten: „Das hier und heute,“ sagte Christian Runkel, bevor er zu den Feierlichkeiten auf den Rasen stieß, „war Balsam auf die Seele!“

Runkel selbst war der Doktor, der das Balsam auf die wunde Wendener Seele aufgetragen hat. Er erzielte beide Tore zum hochverdienten 2:0 (0:0)-Sieg des VSV beim SV Hohenlimburg.

Die ersten Saisonpunkte sind somit unter Dach und Fach. Vorbei sind die quälenden fünf Wochen mit der Null auf dem Konto. Und dass dieser erste Sieg bei einem Team mit Aufstiegsambitionen gelang, macht ihn zu einem echten Befreiungsschlag. Vielleicht ist das auch die Wende. Um noch einmal Runkels Wort zu gebrauchen: Kann ja sein, dass das Balsam länger wirkt. Das hofft jedenfalls Trainer Jörg Rokitte: „Wir müssen natürlich jetzt so weiter machen.“
Top eingestellt

Grundsätzlich ist es ja die Mannschaft, die ein Spiel gewinnt, gestern war es in hohem Maße auch der Trainer. Rokitte hatte seine Elf top eingestellt. Er ließ mit einer Fünferkette spielen, wo Fabian Hoffmann als fünfter Mann neben Kapitän Marco Bäumer, Lennart Arens, Julian Eckhardt und Muharrem Shabanaj richtig biss. Auf links.

Ein Indiz für die Stabilität dieser Konstellation war, dass VSV-Torwart Jannik von der Heiden im gesamten Spiel nur zwei ernsthafte Bälle zu halten hatte. Die aber zählten zur Schwierigkeits-Kategorie eins: In der 16. Minute brachte er mit einer Riesenreaktion einen Kopfball des Hohenlimburgers Marco Eckhoff aus fünf Metern noch über die Latte und in der 82. Minute vollbrachte er Gleiches gegen den Zehner-Kapitän Danilo Labarile.

Vorn liefen die Wendener die Hohenlimburger schon bei deren Aufbau zumeist zu dritt an: Dominic Kruse und Michel Alfes außen, Christian Runkel zentral.

„Ich finde, dass wir es heute richtig gut gemacht haben,“ brachte es Jörg Rokitte nachher auf den Punkt. Angesprochen darauf, dass seine Mannschaft – und auch er – zuletzt von außen herbe angemacht worden waren, winkte er ab: „Wir haben ja intern eine ganz andere Kommunikation als das in den letzten Wochen teilweise andere gemacht haben. Das interessiert mich auch nicht,“ sagte er und fügte hinzu: „Es sind einige wenige, die da Theater machen. Und die sind für mich völlig unwichtig im Leben. Unwichtig vor allem, was unsere Trainingsarbeit angeht.“

Wer richtig hinguckt, der hätte, so Rokitte, „sehen müssen, dass die Mannschaft trotz der vielen Gegentore einige Male mal dran war, das Spiel in die richtige Richtung zu drehen. Das Wort „Genugtuung“ wies Jörg Rokitte, bezogen auf seine gestrige Stimmungslage, zurück. „Genugtuung brauche ich nicht. Der unqualifizierte Kram, der da von außen ‘rein kommt, ärgert mich. Aber den Sieg heute hat die Mannschaft verdient, der Verein und der Vorstand, der ruhig geblieben ist.“
Foul gegen Rokitte ist rot-würdig

Die Vereinsführung jedenfalls hat sich nicht beeinflussen lassen von außen. Sie stand gestern nach der Partie auf der Tartanbahn, gratulierte Spielern und Trainern. Achim Hoffmann, der Sportliche Leiter des VSV, bekräftigte: „Wir haben die Ruhe bewahrt und immer hinter Jörg Rokitte gestanden.“

Schon in der ersten Halbzeit deutete sich an, dass im Kirchenbergstadion zu Hohenlimburg etwas zu holen war. Denn nicht nur VSV-Torwart Jannik von der Heiden musste einmal richtig zupacken, sondern auch sein Gegenüber Jonas Schilling, der riskierte gegen den frei durchgelaufenen Michel Alfes schon nach sieben Minuten Kopf und Kragen. Eine Wendener Führung war möglich.

Im zweiten Durchgang hielt der VSV Wenden seine Marschroute konsequent durch und wurde nun auch mit Zählbarem belohnt. Ein tolles Solo schloss Christian Runkel nur vier Minuten nach Wiederanpfiff mit dem Führungstor ab. Gegen zehn Hohenlimburger sorgte Runkel auch für die Vorentscheidung. Michel Alfes hatte ihm den Ball auf der rechten Seite schön durchgesteckt, Runkel verwandelte aus spitzem Winkel.

Zu zehnt war der SV 10 deshalb, weil Abwehrspieler Frank Nanfack in der 75. Minute gegen Runkel die Notbremse gezogen hatte.

Mindestens genau so zwingend wäre Knallrot in der 73. Minute gewesen. Da hatte Thomas Ludwig Sascha Rokitte im Mittelfeld rüde gefällt, kam aber mit Gelb davon. Minutenlanges Bangen, ob Rokitte weitermachen konnte, folgte. Er konnte. Aber: „Das tut noch weh,“ sagte er nach dem Schlusspfiff, „ich hoffe nicht, dass wieder mit dem Mittelfuß etwas ist.“