Aufstiegsmannschaft trifft sich nach 30 Jahren wieder

Gerd Schildt war von 1985 bis 1989 bei den Fußballern de SV 1910. Er wohnt jetzt in Kiel und trainiert die Traditionself von Holstein Kiel.

Nach wie vor ist der Name Gerd Schildt (65) untrennbar mit den Fußballern des SV Hohenlimburg 1910 verbunden – auch wenn seine Zeit als Zehner (1985 bis 1989) schon einige Jahre zurückliegt.

 

Aber die Verpflichtung eines ehemaligen Profi-Fußballer hat damals schon ein wenig Aufsehen erregt. In seiner ersten Saison im Kirchenberg trainierte er noch unter Bernd Frohwein, dann übernahm er selbst die Verantwortung als Spielertrainer. 1987 stieg er mit dem SV 1910 in die Landesliga auf. Im Jahr 1989 beendete Schildt seine Laufbahn endgültig und zog zurück nach Norddeutschland. In Kiel ist er seit Mitte der 1990er-Jahre in einer Versicherungsagentur tätig. Außerdem trainiert er die Traditionself von Holstein Kiel.

Herr Schildt, wie haben Sie denn die beiden Relegationsspiele von Holstein Kiel gegen VfL Wolfsburg betrachtet?

Gerd Schildt: Ich habe natürlich beide gesehen, keine Frage. Es wäre möglich gewesen. Im ersten Spiel hätte Kiel von Anfang an etwas mutiger spielen sollen, im Rückspiel hätten sie früher auf Risiko gehen müssen. Aber vielleicht ist es gut so. Holstein Kiel hat eine ganz tolle Saison gespielt.

Kürzlich fand in Hohenlimburg ein Wiedersehen mit ihrer ehemaligen Truppe statt. Was war das für ein Gefühl?

Das war sehr schön, wir haben das ja schon zum ,25-Jährigen’ gemacht. Wir wollten uns im vergangenen Jahr schon treffen, 30 Jahre nach dem Aufstieg. Leider ist in diesem Jahr Erich Berlet gestorben. Ich habe immer Kontakt zu Klaus Zuhmann gehalten, und auch zu Freunden in Iserlohn, wo ich öfter bin. Ich habe mich sehr gefreut, dass fast alle Spieler da waren. Auch viele Ehefrauen, wir waren über 30 Leute. So etwas gibt es in der Art ja heutzutage kaum noch, weil niemand mehr einen richtigen Bezug zu seinem Ursprungsverein hat.

War der Landesliga-Aufstieg das schönste Ereignis in Hohenlimburg?

Sportlich auf jeden Fall. Nach anfänglichen Schwierigkeiten war es eine sehr schöne Zeit in Hohenlimburg. Vor allem auch durch die vielen Kontakte, die erhalten geblieben sind, durch die berufliche Zeit bei Klaus Zuhmann.

Wo war es in Ihrer aktiven Zeit als Profi am schönsten?

Da gibt es viele Momente. 1974 in Dortmund, extra für die Weltmeisterschaft wurde ja das Westfalenstadion gebaut. Oder der Aufstieg in die Bundesliga mit Arminia Bielefeld. Danach bin ich ja bei Otto Rehhagel durch ein Sieb gefallen und 1979 nach Salzburg gewechselt. Salzburg ist eine tolle Stadt, und es war eine schöne Zeit, obwohl Fußball dort nicht die erste Geige gespielt hat. Aber das Leben dort war schön und die Menschen toll.

Was ist der Unterschied im Fußball zwischen damals und heute?

Es hat sich vieles geändert, da diskutiere ich auch oft drüber. Das Spiel ist athletischer, taktischer und schneller geworden. Die Mannschaften sind anders aufgestellt. Früher waren zwei Ausländer erlaubt, in vielen Truppen heute spielen zwei Deutsche. Die Strukturen in den Vereinen haben sich geändert, es gibt Sportdirektoren, Fußballdirektoren und vieles mehr.

Ich halte vieles für ungesund. So lange sich FIFA, UEFA und die Landesverbände nicht einig werden, wird es auch leider nach wie vor Fälle wie Aubameyang oder Dembélé geben, die den Verein verlassen, obwohl sie noch über Jahre Vertrag haben. Dann werden Unsummen an Ablöse gezahlt. Eigentlich dürften Spieler erst angesprochen werden, wenn sie nur noch 15 bis 18 Monate Vertragslaufzeit haben.

Der Verdienst hat sich auch geändert, wobei die Hälfte ja vom Verein und die andere Hälfte aus Werbeverträgen kommt. Das ist auch nicht ganz gesund, aber wir beteiligen uns ja auch daran, schauen Sky und den Eurosport-Player.

Wie oft sind Sie mit der Kieler Traditionsmannschaft unterwegs?

Etwa auf fünf bis sechs Events pro Jahr, meistens so im Umkreis von 50 bis 60 Kilometer um Kiel. Vergangenes Jahr waren es leider nur zwei. Wir sind eine gute Gemeinschaft mit etwa 45 Spielern. Alle 14 Tage treffen wir uns, werden auch bald wieder trainieren. Gerne würden wir auch mal Richtung Westen kommen. Ich weiß nicht, wie das etwa in Hohenlimburg aufgenommen wird. Wir verlangen keine horrenden Summen, aber unsere Kosten müssten schon gedeckt sein.

Beim nächsten Treffen ihrer 87-er Mannschaft in vier Jahren sehen wir Sie also in Hohenlimburg wieder?

Aber selbstverständlich. Vergangenes Jahr war ich auf der Beerdigung von Erich Berlet. Ich hatte Gelegenheit, mit seinem Sohn zu sprechen. Ich habe den Wunsch geäußert, dass er den SV Hohenlimburg 1910 weiter sponsert und unterstützt.

Stationen von Gerd Schildt

Gerd Schildt spielte im Sturm, startete seine Karriere von 1971 bis 1973 bei Bremerhaven 93. Am 1. Spieltag der Saison 1973/74 gab er sein Debüt in der Bundesliga bei Werder Bremen, als er von Trainer Josef Piontek beim Auswärtsspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern eingesetzt wurde. Schildt erzielte in der 30. Minute den 1:0-Führungstreffer und damit sein erstes Bundesligator.

Weitere Stationen: 1973 bis 1974: Werder Bremen; 1974 bis 1977: Borussia Dortmund; 1977 bis 1979: Arminia Bielefeld; 1979 bis 1985: Austria Salzburg; 1985 bis 1989: SV Hohenlimburg 1910, dann Rückkehr zu Holstein Kiel (Trainer Traditionself)

Bericht: Lutz Risse WP